Ich glaube, Menschen sind durstig nach etwas Echtem. Überall wird man konfrontiert mit Lügen, Verdrängung oder nicht zu erfüllenden Erwartungen. Es mangelt sehr an schlichten Wahrheiten.
Letztens fuhr ich mit einem guten Freund mit dem Nachtbus um halb 2. Wir unterhielten uns über die Sinnhaftigkeit dessen, was wir tun und was wir erreichen wollen. Unter anderem ging es darum, dass wir festgestellt haben, dass man oft einfach macht, weil man eben bestimmte Dinge machen muss und erst nach Jahren feststellt, dass es nicht das ist, wonach man eigentlich strebt und was man sich nach dem Abi und zu Beginn des Studiums erträumt hat. Ich denke, dass man oft Kompromisse eingeht im Leben. So wie jedes Mädchen fest davon überzeugt ist, dass die eigene Hochzeit das schönste Fest aller Zeiten wird, nur um später auf das zu teure Traumkleid zu verzichten und die Stadthalle, statt des Strandes als Location zu wählen, so wird man im Laufe seines Lebens noch viele Kompromisse eingehen und feststellen, dass man nicht das Besondere und Außergewöhnliche erreicht hat, sondern im Sumpf der Mittelmäßigkeit und Gewöhnlichkeit versinkt. Und diese Mittelmäßigkeit fühlt sich verdammt unecht an, weil sie nicht gewollt, nicht erträumt ist. Sie ist ein Produkt aus den Erwartungen anderer und den Kompromissen eines selbst. Was sich echt anfühlt sind Träume. Es ist ein paradoxer Gedankengang. Aber ich meine es so, wie ich es sage. Träume erwachsen aus mir selbst. Träume legt Gott in mein Herz und in das Herz eines jeden einzelnen Menschen hinein. Der Mensch verliert jedoch irgendwann mit den Jahren den Glauben an seine Träume. Vielleicht wagt er sich auch gar nicht mehr, seine Träume zu realisieren. Es strömt viel auf mich ein. Viele Erwartungen an mich, wie ich mein Leben gestalten soll. Ein guter Uniabschluss soll es sein, währenddessen möglichst schon eine Weiterbildung in irgendeinem Bereich, der mir direkt nach meiner Unizeit, Türen öffnet. Der Einstieg ist geschafft, ich verdiene mein erstes richtiges Geld. Irgendwann lerne ich vielleicht einen netten Mann kennen und heirate. Familie, Haus, Auto, Urlaub, Arbeit, Rente, Schaukelstuhl. Und im Schaukelstuhl habe ich dann genug Zeit, um meinem Traumkleid hinterher zu trauern. Soviele Kompromisse, die man im Leben eingeht...auf Kosten der Dinge, die man wirklich möchte. Manchmal sogar von ganzem Herzen.
Wie wir so nachts im Bus saßen und geredet haben, drehte sich eine junge Frau um, die direkt vor uns saß. Sie meinte, sie habe die ganze Zeit zuhören müssen, weil sie unser Gespräch so interessant fand und total mitfühlen könnte. Es wäre genau das, was sie zur Zeit durchmache. Ich denke, es ist genau das, was alle Menschen irgendwann in ihrem Leben einmal durchmachen. Man muss Entscheidungen treffen, aber man weiß einfach nie, was sich hinter den einzelnen Wegen versteckt. Ist es der Schatz oder die Sackgasse? Das gute an Sackgassen ist, dass man umkehren kann. Im Leben ist es manchmal nicht möglich eine Entscheidung rückgängig zu machen, oft muss man mit den Konsequenzen seiner Entscheidung leben, aber meistens gibt es doch immer noch eine zweite Chance. Manchmal muss man durch ein Labyrinth von falschen Entscheidungen gehen, bis man zur Auflösung kommt. Meine Hoffnung, die ich in Gott setze ist, dass nicht er die Wege für mich geht oder mir einen Tunnel durch den Irrgarten gräbt, sondern, dass er mir klar macht, für welche Wege ich mich entscheiden soll, damit ich nicht unbedingt den schnellsten, wohl aber den Weg finde, der mich am weitesten bringt und mir viele Wahrheiten offenbart, die ich nutzen kann, um einen Sinn zu sehen in allem, was ich tue, bis jetzt getan habe und noch tun werde. Zwar sehe ich noch keine Sinnhaftigkeit, in dem , was ich tue, aber ich habe Vertrauen. Was bleibt mir anderes übrig?
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