Ich habe noch kein richtiges Konzept für das, was hier fabriziert wird. Ich habe mir in letzter Zeit ein paar Gedanken gemacht, die mich hier her geführt haben. Ich weiß gar nicht was ausschlaggebend war, es war wohl die Summe an Anstößen und Beobachtungen, die in mir den Gedanken aufkeimen ließen, über Gott und Glaube zu schreiben. Ich möchte persönliche Eindrücke, Empfindungen und Beobachtungen zum Thema niederschreiben und mit Menschen teilen. Bei letzterem bin ich mir noch nicht sicher, ob ich das jetzt schon will. Vielleicht ist es auch etwas ganz Intimes, was ich ordnen muss, um es wenigstens teilweise erfassen zu können. Der Glaube ist komplex, nicht einfach zu begreifen. Viele Aspekte sind so verwirrend, dass ich lange nachdenken muss, um einen klaren Gedanken fassen zu können.
Ich hatte früher immer den Anspruch, alles begreifen zu müssen. Mittlerweile weiß ich, dass ich nur sehr wenig wirklich weiß und andere Personen immer unterschiedliche Meinungen und Sichten auf die Dinge haben werden. Ich wollte früher immer alle von meiner Meinung überzeugen. Ich habe diskutiert, nicht locker gelassen. Heute höre ich zu und versuche zu verstehen, wieso eine Person so denkt, wie sie denkt und was davon ich für mich und mein Leben annehmen kann und was davon ich einfach verwerfe und nicht zu meiner Wahrheit mache.
Ich saß vor einigen Tagen im Bus und hörte, wie zwei Männer sich unterhielten.
-"Die.....hat schon wieder ihr Kind verloren, im 3.Monat war die"
-"Ja, die säuft aber auch, wie verrückt, das ist kein Wunder"
Ich weiß, dass solche Dinge passieren, tagtäglich, überall. In der direkten Nachbarschaft. Im Verwandten-und Freundeskreis. Mir ist bewusst, dass jeder Mensch sein Leben leben muss und, dass es manche schwerer haben, als andere. Mir ist auch bewusst, dass ich zu der Sorte Mensch gehöre, die es leichter im Leben hat, als die meisten Anderen. Vor allen Dingen aber weiß ich, dass es nicht mein Verdienst ist, dass es mir gut geht. Einige würden sagen: Glück gehabt! Ich sage: Es ist Gnade, dass ich gesund und geliebt bin. Dass ich ein Dach überm Kopf und genug zu Essen habe, dass ich in einem Land lebe, in dem politischer Friede herrscht. Dass ich eine Familie habe, die zusammenhält. Dass ich Menschen kenne, die ich lieben kann und die auch in mir einen wertvollen Menschen erkennen können. Ich gehe sogar weiter und sage: Das habe ich Gott zu verdanken. Ich habe nichts dafür getan.
Aber ich sehe vieles, was mich herausreißt aus meinem "guten Leben". Und es schmerzt und verletzt mich. Ich brauche gar nicht den Hunger in Afrika zu erwähnen. Man muss einfach nur rausgehen und den Menschen zuhören. Was einige Menschen in unserem direkten Umfeld erleiden, die Lasten, die sie tragen, kann man auf 10 Leben verteilen. Ich verstehe nicht ganz, weshalb und warum bestimmte Dinge geschehen, aber ich fordere meinen Glauben und Gott auf, mir Dinge zu verdeutlichen. Ich möchte einen Sinn sehen, in dem wer ich bin und was ich tue. Ich denke manchmal, ich könnte mein Leben und die Gnade, die ich erfahre mit anderen Menschen teilen und doch gelingt es mir nicht. Vielleicht bin ich zu feige. Menschenscheu ist weitverbreitet und auch ich bin oft total eingenommen von ihr. Dann ist es mir wichtiger, gut anzukommen bei den Leuten. Nicht anzuecken, in meiner Bequemlichkeit zu verharren, damit bloß niemand auf die Idee kommt, Fragen zu stellen. Ich ärgere mich oft über mich selbst. Ich will einen Weg finden, Menschen mit dem, was ich zu geben habe, zu erreichen in der Hoffnung, Gutes geben zu können, aus dem Überfluss an Gnade, der mir zuteil geworden ist.
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